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Fritz-Bauer-Straße Titelbild

 

 

Fritz-Bauer-Straße für Trier

 

 

Fritz Bauer Straße Text

Thema im Trierer Stadtrat und Kulturausschuss

In einem offenen Brief forderten die Evolutionären Humanisten Trier eine Namensänderung der Trierer Hindenburgstraße in “Fritz-Bauer-Straße”. Denn Namenspatenschaften dienen nicht bloß der unkritischen Konservierung von deutscher Geschichte, sondern sprechen den Persönlichkeiten eine besondere Form von Anerkennung aus.

Unsere Forderung wurde schließlich im Trierer Stadtrat diskutiert. Eine Umbenennung der Hindenburgstraße lehnte man ab. Die „Fritz-Bauer-Straße“ wurde jedoch in die Straßennamenvorschlagsliste aufgenommen und in einer Sitzung des Kulturausschusses mit dem Prioritätssiegel versehen.

Der offene Brief im Wortlaut

Die Evolutionären Humanisten Trier unterstützen das Vorhaben des Trierer Stadtrates, die Hindenburgstraße in Trier umzubenennen. Wir sprechen uns für eine Namensänderung in „Fritz-Bauer-Straße“ aus. Mit der Unterzeichnung dieses offenen Briefes können Sie uns in unserem Vorhaben, einen der bedeutendsten Staatsanwälte Deutschlands und einen mutigen Aufklärer zu ehren, unterstützen.

Eine Stadt ist ein lebendiger Organismus im ständigen Wandel, den wir als Bürgerinnen und Bürger mit- und umgestalten müssen und der von unserer Initiative lebt. Die Namenspatenschaften von Straßen, Plätzen und öffentlichen Einrichtungen dienen dabei nicht bloß der unkritischen Konservierung von deutscher Geschichte. Sie sollen Persönlichkeiten anerkennen und ehren, deren Leben und Wirken eine Vorbildfunktion für unsere Gesellschaft übernehmen kann.

Der Generalfeldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) verdient diese Ehre nicht. Hindenburg war Militarist, Gesinnungsfreund der Nationalsozialisten und, obwohl demokratisch gewählt, ein bekennender und überzeugter Antidemokrat. Mit der Einsetzung Hitlers als Reichskanzler 1933 und der von ihm erlassenen sog. Reichstagsbrandverordnung, mit der die Grundrechte der Weimarer Republik außer Kraft gesetzt wurden, spielte Hindenburg eine entscheidende Rolle bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten und somit am traurigsten und schändlichsten Kapitel der deutschen Geschichte.

Dass bereits viele deutsche Städte seit 1945 ihre Hindenburgplätze, -straßen und -schulen umbenannt haben (darunter der ehemalige Hindenburgplatz in Münster und das ehemalige Hindenburg-Gymnasium in Trier), zeugt von einem Konsens über die äußerst unrühmliche Rolle von Paul von Hindenburg – sowohl unter Historikern, als auch unter der Bevölkerung. Die Evolutionären Humanisten begrüßen diese kritische und konstruktive Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und möchten die Bestrebungen, die Hindenburgstraße in Trier umzubenennen, mit diesem Vorschlag vorantreiben.

Mit einer Namenspatenschaft Fritz Bauers (1903-1968) wollen wir einen der bedeutendsten Staatsanwälte und Richter Deutschlands ehren und an eine inspirierende Persönlichkeit erinnern. Bauer widmete seine Arbeit der Wiederherstellung des Rechtssystems in der BRD, der Strafverfolgung der Unrechte der NS-Zeit und der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Als Sohn jüdischer Eltern musste Bauer vor den Schrecken des Faschismus aus Deutschland fliehen. Doch er kehrte in das Land seiner Peiniger zurück und half bei der Errichtung eines neuen, besseren und gerechteren Deutschlands. Fritz Bauer war maßgeblich am Zustandekommen der Frankfurter Auschwitzprozesse, der Ergreifung des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmanns und der Rehabilitierung der Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944 beteiligt.

Fritz Bauers Leben und Wirken zeigt eindrucksvoll, dass die Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung der nationalsozialistischen Verbrechen in der Nachkriegszeit keineswegs ein Selbstläufer war. Es bedurfte im Gegenteil mutige und engagierte Aufklärer wie Bauer, die sich auch trotz Kritik und Unmut der Öffentlichkeit für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzten. Mit einer Umbenennung in „Fritz-Bauer-Straße“ kann die Stadt Trier einen bedeutenden Aufklärer würdigen und zugleich ein wichtiges Zeichen gegen die leider noch immer bestehenden Gefahren von Rassismus und Antisemitismus und für Zivilcourage setzen.

Für die Evolutionären Humanisten Trier e.V.

Florian Chefai (1. Vorsitzender) & Jannis Puhlmann (Pressesprecher)

Trier, den 26. Juli 2014

Unterstützende

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Fritz-Bauer-Straße Zitat

»Die Auseinandersetzung mit unserer jüngsten Vergangenheit erfordert gewiss ein Wissen um Fakten. Aber das genügt nicht, nötig ist auch der Versuch ihrer Deutung, ohne die keine Folgerung und keine Lehre gezogen werden können.« – Fritz Bauer

Wer war Fritz Bauer?

Fritz Bauer (1903-1968) war einer der bedeutendsten Staatsanwälte, die Deutschland je hatte. Er sorgte dafür, dass die Attentäter des 20. Juli als „Kämpfer gegen ein Unrechtsregime“ rehabilitiert wurden, gab Israel den entscheidenden Hinweis, um Adolf Eichmann zu fassen, und kämpfte gegen erbitterten Widerstand für die Durchführung der Frankfurter Auschwitz-Prozesse.

Aufgewachsen in Stuttgart als Kind deutsch-jüdischer Eltern, studierte Fritz Bauer in der Weimarer Republik Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft und war von 1930-33 als jüngster Amtsrichter Deutschlands in Stuttgart tätig. Nach seiner Inhaftierung im KZ Heuberg emigrierte er 1936 nach Dänemark, später nach Schweden. 1949 kehrte er in seine deutsche Heimat zurück. 1956 wurde Bauer hessischer Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main. Er war einer der wichtigsten Vorkämpfer für Strafrechts- und Strafvollzugs-Reformen und wies wie kaum ein anderer auf die gesellschaftliche Verantwortung des Justizwesens beim Wiederaufbau einer demokratischen Gesellschaft hin. So schrieb er auch den ersten Entwurf zur Abschaffung des Paragraphen über die Strafbarkeit homosexueller Handlungen.

Durch seine konsequente Verfolgung von NS-Verbrechern wurde Bauer im restaurativen Klima der Adenauer-Ära zur „Provokation für den Zeitgeist“. Aufsätze und Reden mit Titeln wie „Mörder unter uns“ und „Am Ende waren die Gaskammern“ stießen nicht nur bei Alt-Nazis und Repräsentanten der Politik und Justiz auf erheblichen Widerstand, sondern erregten auch beim bürgerlichen Publikum der 50er und 60er Jahre Anstoß. Intrige, Sabotage und Rufmord begleiteten die Arbeit von Fritz Bauer, der neben seiner Tätigkeit als Staatsanwalt wichtige theoretische Beiträge für eine humanere Rechtsordnung verfasste und Mitbegründer der von Gerhard Szczesny 1961 initiierten Humanistischen Union war. Er starb am 30. Juni 1968 unter rätselhaften Umständen in seiner Frankfurter Wohnung.